Diverse Impressionen aus Tübingen

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Vom goldfarbenen Herbst ist in Tübingen wenig zu sehen. Es scheint eher noch einen nachgelagerten Sommer mit jeder Menge Laub zu geben. Nichtsdestotrotz (tolles Konjunktionaladverb, oder?) habe ich versucht ein paar herbstliche Eindrücke bei einem Spaziergang einzufangen.

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Eigentlich…

wollte ich heute bloggen. Aber dann habe ich mich in meiner Bildbearbeitungssoftware verlaufen. Die Datenbank ist groß und wollte mal wieder etwas ausgemistet werden, ebenso haben noch etliche Bilder auf eine angemessene Entwicklung gewartet.

Lange ist hier nichts passiert und das hat mich dazu bewogen doch noch ein paar Worte und Bilder zu veröffentlichen. Ich habe noch viel zu viele Bilder die ich zeigen möchte… deswegen fange ich einfach mit zwei Schnappschüssen der letzten Tage an und schaue, dass ich die kommende Woche nochmal einen ordentlichen Beitrag verfasse.

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Warum Blümchen die besseren Menschen sind…

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Blumen sind die besseren Menschen. Diese Behauptung mag bizarr klingen, ist allerdings ohne in Misanthropie abzugleiten (was mir ab und an von bösen Zungen unterstellt wird…), zu begründen:

Blumen (und auch Blüten, ich respektiere Biodiversität! 😉 ) machen keine Anstände, wenn man die Kamera auf sie richtet, wie so manche Person – und wirken dabei wie ein Reh, auf welches direkt das Licht der Autoscheinwerfer strahlt, wie angewurzelt gaffen sie in Habachtstellung und machen die Augen übernatürlich groß. Ein Foto scheint sich für manch so eine Person wie eine Exekution zu gestalten, angesichts der Angst, welche so ein Objektiv zu verbreiten scheint.

Abgesehen vom ängstlichen und verschreckten „Reh-Blick“ haben Menschen weitere Tücken: Sie können Blinzeln. Mag sein, dass das gut für die Aufrechterhaltung der Funktionstüchtigkeit der Augen ist. Vorallem wenn in diesen Millisekunden der Verschluss der Kamera auslöst. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Auslöser direkt mit dieser, fotografisch partiell unsäglichen, Augenfunktion synchronisiert ist.

Mithin besteht ein weiter Vorteil von Blümchen und Konsorten, darin, dass sie nicht weglaufen können oder  sich keine Hände ins Gesicht klatschen. Fluchtreflexe hin oder her, sieht auf Fotos dämlich aus. („Ja, aber wenn jemand nicht fotografiert werden will und so…“ – Sieht allemal dööfer aus als der schlimmste Reh-Blick und ein schlichtes Bitten, dass man das nicht möchte reicht doch aus – Mittelfinger und Konsorten sind nicht so sehr die feine Art auf nervige Penetration mit einer Kamera zu reagieren.)

Blumen stellen keine Fragen – beispielsweise: „War’s das endlich?“ – „Oh Gott, noch eins?!“ und wollen auch nicht direkt sehen was das Ergebnis ist. Ergo sind Blumen sehr geduldige Lebewesen, die ebenso darauf warten zu Verwelken wie der Mensch. (Jaja, die Misanthropie… aber ältere Menschen sehen auf Fotos spannend aus. Gesichter vermögen mehr zu erzählen, als die fotografische Metapher einer welken Blüte…). Diese Geduld ermöglicht es, in aller Ruhe, eine schöne Komposition und damit verbunden Perspektive zu finden – sehr vorteilhaft für das fotografische Vergnügen.

Als ein weiterer Vorteil von Blumen sei genannt, dass sie nicht die Neigung sich in halsbrecherische Posen zu werfen oder seltsam in die Knie gehen, ihr eigentlich nicht vorhandenes Doppelkinn gen Kamera drücken und dann behaupten, die Kamera (oder schlimmer, die fotografierende Person) sei daran schuld.

Ebenfalls erfreulich ist, dass ich noch nie eine Blume habe sagen hören, dass sie sich auf Fotos nicht gerne mag oder nicht in der „Stimmung“ für eine Aufnahme sei. Blumen, ob blühend oder welk, lassen sich in ihrer Seinsart unverblümt (höhö 🙂 ) darstellen und sind nicht darauf bedacht, immer im besten „Licht“ darzustehen, für das Licht und die Darstellung ist die fotografierende Person in der Verantwortung… 😉

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Blumen sind meistens sehr positiv konnotiert – Rosen als Symbol für die Liebe, oder auch ein Blumenstrauß als Dankeschön. Abgesehen von Blumenkränzen auf Beerdigungen, erscheint es als ob Blumen fast allen Menschen gefallen… bei Menschen ist das nicht immer der Fall. Man stelle sich ein tolles Porträt von einem Menschen vor, den man ganz und gar nicht mag – vielleicht mag die ein oder andere Person eingestehen, dass es sich um ein „gutes Foto“ handelt, jedoch wird sich das Bild des Menschen, welcher abgebildet ist, nicht so schnell ändern und eine positive Sichtweise entstehen.

Meines Erachtens ist es die Aufgabe von Fotografien Emotionen zu transportieren, egal welche dies auch sein mögen und ob es sich um eine „gelungene“ Umsetzung handelt (auch, wenn diese natürlich immer zu begrüßen ist) – darin besteht der große Vorteil von Menschen: Sie sind sehr vielfältige Lebewesen mit Emotionen, welche sie auch transportieren zu vermögen – egal ob vor der Kamera oder beim betrachten eines Bildes. Sinnbildlich stinkt die am schönsten duftendste und farbenfroheste Blume gegen Menschen ab und wird diesbezüglich fix zu Kompost – oder hat jemand schoneinmal erfahren, dass sich eine Blume ihre Emotionen über ein Bild ausgedrückt hat? Auch wenn sie geeignete Motive sind, welche durchaus ihren Reiz ausstrahlen können sie (auch, wenn sie die besseren Menschen sind) niemals ein so vielfältiges und spannendes Motiv sein, wie es ein jeder Mensch zu sein vermag. (Vergebt mir so viel Pathos, bitte… oh weia.)

Ach und durch die Blume gesagt, alle Personen, welche sich in ihrem Verhalten hier wiedererkennen und potentiell angegriffen fühlen, denkt daran: Blümchen würden so etwas niemals tun und sind demnach, dann wohl doch die besseren Menschen. 😉